Einen Fotografen zu finden, der zu einem passt ist fast so schwer, wie einen guten Facharzt (oder den Friseur seines Vertrauens).

Es gibt einen riesigen Markt an Fotografen. Die meisten beherrschen das Handwerk und den Umgang mit der Technik gut bis großartig. Trotzdem gibt es Unterschiede. Die einen brennen für die Studiofotografie, entwickeln interessante oder auch mal bizarre Lichtsettings, die anderen fotografieren lieber FineArt, wieder andere machen Reportagen.
All das hat seine Berechtigung und für jeden Fotografen gibt es wahrscheinlich auch Kunden, die genau das suchen.

Als Kunde muss man sich aber vorher genau überlegen, was man will, um den richtigen Fotografen zu finden.
Wenn man Baby-Fotos will, möchte man diese mit viel Chichi, mit Accessoires und Mützchen und Deckchen oder will man Bilder mit den eigenen Strampler und dem Kuscheltier. Auch hier: Beides kann wundervoll sein, man muss nur wissen, was man möchte.
Deshalb sollte man sich auch immer ein paar Bilder von Fotografen ansehen, um zu sehen, ob man das haben will.
Ich persönlich mag:
- natürliche Aufnahmen, gerne in Bewegung oder im Tun - ich finde, Kinder und Tiere kann man am allerbesten fotografieren, wenn sie sich beschäftigen und evtl. gar nicht mehr merken, dass man da ist
- Detailaufnahmen - Babyfüsschen sind wunderschön, eine Hand, die eine Blume hält kann mehr sagen, als ein Bild auf dem das ganze Kind zu sehen ist, ein Pferdeauge oder auch mal eine Nüster in Großaufnahme können wunderschöne Bilder sein
- Bilder von Beziehungen - wenn ich Gruppen von Menschen oder Menschen mit Tieren fotografiere, versuche ich einzufangen, wie sie zueinander in Beziehung stehen. Ich liebe Bilder, auf denen man die Vertrautheit spürt
- Bilder, die nicht immer perfekt sind - die angeleaufene Brille, der Lachanfall, die herausgestreckte Zunge des Pferdes, das vehemente Kopfschütteln oder auch die Grasflecken oder Löcher in der Jeans, all das zeigt das Leben und es gibt schließlich nichts schöneres als das Leben, oder?
- Bilder von hinten - warum das so ist weiß ich nicht, aber ich mag sie einfach
- Bilder in der natürlichen Umgebung - da, wo man sich wohlfühlt fällt es einem am Leichtesten, entspannt zu sein. Deshalb fotografiere ich gerne draußen, auch auf einem Spielplatz oder bei einem Spaziergang oder zu Hause. Ich mag auch Bilder auf dem Wohnzimmersofa lieber, als die mit klassischem Studio-Hintergrund.
- das Spiel von Schärfe und Unschärfe - manchmal ist ein Bild interessanter, wenn nicht alles gleich scharf ist. Das verleiht dem Bild Tiefe und macht es manchmal auch spannender. Manchmal wähle ich den Schärfebereich bewusst sehr, sehr eng um das Auge auf ein bestimmtes Detail zu lenken.
Was ich nicht mag und auch nicht oder nur selten mache:

- gestellte, künstliche Aufnahmen - ich bin kein "Kinn noch etwas nach oben, die Nase zwei Zentimeter nach rechts"-Fotograf. Natürlich versuche auch ich, euch so zu dirigieren, dass die Sonne nicht gerade in den Brillengläsern spiegelt - aber in erster Linie versuche ich, Euch so zu nehmen, wie Ihr seid
- lasziv geöffnete Lippen und den Arm diagonal durchs Bild - von den Fotoregeln her mag das ein perfekter Bildaufbau sein, aber ich persönlich mag das nicht. Ich kenne niemanden, der mit lasziv geöffnetem Mund und schrägem Arm auf seiner Terrasse sitzt. Mag sein, dass ich die falschen Leute kenne, es gibt tatsächlich auch Bilder, auf denen das nicht nur gewollt und nicht gekonnt aussieht - aber ich kann so etwas nicht und will es auch nicht.
- totretuschierte Bilder - Falten, Muttermale, Narben, all das gehört zu uns, auch wenn wir nicht auf jede davon stolz sind. Ich kann solche Dinge retuschieren, ich mag das aber nur bis zu einem gewissen Grad. Ich persönlich bin nicht dafür, aus einem wunderschönen sommersprossigen Gesicht eines ohne den kleinsten Fleck zu machen.
Ich wünsche Euch allen viel Glück dabei, den Fotografen Eures Vertrauens zu finden. Ich bin mir sicher, er ist da draußen - irgendwo.

