Samstag, 18. Februar 2017

Warum Fotos kosten was sie kosten - und warum sie das auch wert sind

Wahrscheinlich bin ich der 798 000. Fotograf, der darüber blogt oder schreibt oder referiert, warum der Preis für Bilder so ist wie er ist.
Und trotzdem muss es einfach immer und immer wieder gesagt werden. Zur Verdeutlichung zeige ich euch in diesem Blogbeitrag ein paar Vorher-Nachher-Bilder.

Ich verstehe jeden, der Preise vergleicht und schaut und versucht für sich das optimale Preis-Leistungsverhältnis zu finden. Das ist völlig in Ordnung und legitim. Ich mache das im Übrigen auch.

Manchmal kaufe ich mir auch Dinge nicht, die ich toll finde, weil sie mir einfach zu teuer sind. Dabei zweifle ich allerdings selten den Preis an - gerade wenn es um handgemachte Dinge geht. Manche Dinge fallen nur einfach aus meiner persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnung heraus.

Für einen "Laien" (oder "Endverbraucher" wie es ja auch oft so schön heißt) ist aber vielleicht tatsächlich nicht nachvollziehbar, wie viel Zeit und Arbeit in Bildern steckt. Deshalb möchte ich gerne eine kurze Erklärung dazu geben.

Zum einen sind da natürlich erst Mal die Kosten für die technische Ausrüstung. Kamera, Objektive, Akkus, Blitz, Lichter, Stative, Verlängerungskabel, Funkauslöser - all das kostet eine ganz nette Stange Geld. Ob es die Vollformatkamera sein muss oder nicht - darüber lässt sich sicherlich streiten, aber Tatsache ist: mit ner Kompaktkamera für nen 50er kommen andere Ergebnisse raus. Vielleicht liegts auch an mir - aber ich kann damit zwar Fotos aber keine Bilder machen.
Zur Technik gehört aber auch, dass man gewisse Programme braucht, um die Bilder zu entwickeln. Die sind (wie Programme meistens) nicht ganz billig. Außerdem braucht man einen PC oder Laptop und einen Bildschirm. (Bildschirmputztücher sind auch oft sehr hilfreich, die rechnen wir aber einfach mal nicht ein.)
Ich möchte auch auf mein Grafikpad nicht mehr verzichten. Gerade beim Retouschieren von Koppelzäunen ist es echt Gold wert.



Ihr kriegt eine Ahnung, dass man vor dem ersten "Klick" schon eine ganze Menge Geld (und Zeit um die Sachen zu beschaffen) investiert hat. Aber gut, das muss man ja nur einmal besorgen und dann nichts wie los... Äh. Nein, doch nicht.

Wenn sich jemand bei mir meldet versuche ich erst einmal herauszufinden, WAS derjenige sich denn vorstellt. Geht's um Familienfotos, Fotos von der Katze oder die anstehende Hochzeit. Sollen die Aufnahmen drinnen oder draußen gemacht werden? Hat derjenige eine Idee, WO er die Fotos machen will? WANN soll das Ganze stattfinden und wie lange soll es wohl dauern?
Im Optimalfall kenne ich den geplanten Ort - ansonsten fahre ich (sofern es in erreichbarer Nähe liegt) vorher hin und schaue mir an, wie die Verhältnisse vor Ort sind. Welche Motive finden sich, wie ist das Licht, ....
Außerdem schreibe ich noch einen Vertrag, ich bereite meine Sachen (Kameras, Objektive, Akkus etc.) vor.
Insgesamt gehen für die Vorbereitung zwischen 30 Minuten (wenn ich so richtig schnell bin und es nicht viel zu diskutieren gibt) oder eben auch mal 3 Stunden drauf. Und noch immer kein Bild im Kasten.

Wir treffen uns also zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort. Manchmal komme ich 5 Minuten zu spät, weil ich hinter einem Planwagen hänge - aber ich komme. In der Regel sogar eher 15 Minuten zu früh...
Dann fotografiere ich. Sagen wir mal eine gute Stunde. In der Zeit kriegt man mit ziemlicher Sicherheit ein paar gute Bilder, die Kinder, Hunde oder Kanarienvögel hatten Zeit, sich an mich zu gewöhnen und sind entspannt, wir verabschieden uns und... für mich geht die Arbeit erst richtig los.

Da ich im RAW-Format fotografiere muss ich ab in die technische Dunkelkammer. Glücklicherweise darf man dazu heutzutage das Licht anlassen.
Jetzt heißt es Bilder herunterladen, Bilder sichten, aussortieren und bewerten - welche Bilder lege ich meinen Kunden vor, welche nicht?
Gerade bei Bildern mit Kindern, mehreren Menschen oder Tieren bediene ich mich öfter Mal des Serienbild-Modus meiner Kamera. Nicht jede Galopp-Phase sieht gleich gut aus und wenn mehr als 2 Leute auf einem Bild sind hat garantiert auf 2 Bildern mindestens einer die Augen zu.
Es gibt also einige Bilder zu sichten und zu bewerten.
Dann geht es an die grundsätzliche Entwicklungsarbeit. Hier ein bisschen mehr Licht, da mehr Kontrast, hier etwas weichzeichnen, da etwas mehr oder weniger Sättigung. Das Bild würde in schwarz-weiß gut aussehen, jenes braucht einen anderen Bildausschnitt... Das, was man eben früher in der Dunkelkammer gemacht hat.
Dann werden die Bilder so aufbereitet, dass sie auch jeder normale PC lesen kann ohne spezielle Programme zu brauchen - und ich lade die Bilder in eine Online-Galerie. Jetzt darf ich mich kurzfristig zurücklehnen, während der Kunde sich die vereinbarte Anzahl an Bildern zur Feinretusche aussucht. Da heißt es dann nochmal genau hinschauen, glätten, Kratzer entfernen, das Auto aus dem Hintergrund herausarbeiten etc.


Je besser die Bilder schon in der Kamera waren, desto weniger Arbeit ist es, aber machen muss man (fast) immer etwas. Einfach um die Bilder zu optimieren.
Das Ganze nimmt zwischen 1 und X Stunden in Anspruch. Nach oben sind theoretisch keine Grenzen gesetzt. Es kommt auf die Anzahl der Fotos und die Bearbeitung an. Wenns nur 3 sind, reicht auch mal eine Stunde....

Dann brenne ich die DVD und mache für jeden eine individuelle Verpackung. Stimmt, das ist Zeit, die ich mir sparen könnte - aber ich bin ja ein Verfechter der Wertigkeit von Bildern. Und wenn die Bilder etwas Besonderes sind, dann müssen sie doch auch schön, wertig und besonders verpackt werden, oder? Also bastel ich für jeden einzelnen Kunden eine individuelle Verpackung, bei der ich immer versuche, etwas spezielles von DIESEM Kunden aufzugreifen. Die Farbe des Hochzeitskleides, das Motto, das Hobby, den Lieblingsspruch.....
Ich will, dass meinen Kunden meine Bilder Geld wert sind - die Zeit und das Material und die Bastelsachen für die Verpackung sind mir meine Kunden wert.

Dann bringe ich die Bilder zum Kunden oder er holt sie bei mir ab oder ich verschicke die DVD (das heißt dann verpacken, zur Post fahren, Porto,...)

Ist jetzt verständlich, dass der Preis für Bilder vielleicht teuer klingt aber da auch wirklich Arbeit dahintersteckt und man nicht nur "ein paar mal Klick macht"?